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Open Password – Dienstag, den 6. November 2018

#464

 

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Elisabeth Simon – Willi Bredemeier – Künstliche Intelligenz – Google – Frankfurter Buchmesse – Yannick Loonus – Open Password – Informationsflut – Roboter- Internet-Konzerne – Brave New World – Technologiegläubigkeit – Deutsche Bahn – Autobahninfrastruktur – Rolf Lanwehr – Mitarbeiterführung – Charisma -Bertolt Brecht – #Miteinander – CIOs – Deloitte – IT – Digital Vanguard – Tech Fluency – Qualifizierung der Mitarbeiter – Investitionen – Soft Skills – Diversität – Data Analytics – Cloud – Cybersecurity

 


Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg

Der Mensch und die Künstliche Intelligenz,
und wo wir sie weder haben
noch benötigen

Von Elisabeth Simon und Willi Bredemeier

Bilder Elisabeth Simon und Willi Bredemeier (nebeneinander)

Steht die Künstliche Intelligenz für einen allgemeinen Aufbruch? Löst sie alle unsere Probleme oder wenigstens einige von ihnen? Google schien dies in seiner Zeitschrift zur Buchmesse nahezulegen, indem es eine Vielzahl von Anwendungen, die bereits heute verfügbar sind und zum Teil massenweise eingesetzt werden, auflistete, zum Beispiel „Bilder sortieren“, „Musik individuell zusammenstellen“, „Sprachen übersetzen“, „leichter einen Partner finden“ und weitere Tools, die uns die Bewältigung unseres beruflichen und privaten Alltags erleichtern. Werfen wir zudem einen Blick auf die Zukunft, so scheinen für die Künstliche Intelligenz, folgen wir dem Enthusiasmus der Internet-Konzerne, keine Grenzen zu bestehen.

Da gaben sich die „Steilvorlagen für die Informationsvermittlung“, jener jetzt schon ins sechste Jahr gehenden Veranstaltung, die immer mehr Besuche an die Frankfurter Buchmesse zieht, mit „Turning Complexity into Simplicity – Neue Chancen und Geschäftsmodelle für Information Professionals“ wesentlich bescheidener. Allerdings ging es auch hier nicht ohne die Frage nach den Integrationsmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz in die Arbeit von Informationszentren ab. Referent Yannick Loonus von Semalytix hat hier bereits eine nach Branchen und Aufgabenbereichen differenzierte Möglichkeit von Einsatzmöglichkeiten der KI geschaffen und in Open Password veröffentlicht. Kurz, der Zug der Künstlichen Intelligenz ist nicht aufzuhalten und er rollt auch hier. Die Anwendung neuer Methoden bei der Strukturierung von Daten, der Umgang mit der Flut von chinesischen Patenten, die neue Stellung der Versicherungsbranche nach Jahren der Ungewissheit, alles bot Einblicke in eine neue Welt der Informationen, nicht nur im Beruf, sondern auch im privaten Tagesgeschäft.

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Irgendwo zwischen den Extrempositionen eine nach wie vor problematische Conditio Humana.

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Allerdings wurde mit der Schlagzeile für die Podiumsdiskussion, „Are we data rich aber insights poor?“ zumindest in der Formulierung einer Frage die Möglichkeit einer skeptischen Gegenposition zugelassen. Was wohl heißen soll: Werden wir womöglich derart von der Informationsflut überwältigt, dass wir von der Künstlichen und der eigenen Intelligenz verlassen zu keinen Einsichten finden? Geben wir unser eigenes Denken auf, wenn die Suchmaschinen uns immer bessere für uns maßgeschneiderte Antworten auf unsere Fragen liefern? Das konnten die Referenten, Diskutanten und Moderatoren zwar nicht so stehen lassen. Aber in der konkreten Situation ist die obige Extremposition womöglich nicht realitätsferner als die andere extreme Vorstellung, dass wir nämlich in absehbarer Zeit von den Robotern beherrscht werden. Erinnern wir uns, wie viele Produkte, zuletzt das Buch und die Zeitungen, mit einer Existenzgarantie von Ewigkeitswert ausgestattet wurden, bis sie zumindest teilweise von der Online-Revolution überrollt wurden? Wenn die Roboter immer mehr Aufgaben besser als die Menschen zu lösen verstehen, wenn sie bereits begonnen haben, das Lernen zu lernen, was geschieht, wenn sie ihre Aufgabenfelder immer weiter verbreitern, bis den Menschen auch ihre Koordinationsaufgaben abhandengekommen sind?

An dieser Stelle hätte für kurze Zeit eine Erweiterung der „Steilvorlagen“ zu einem philosophischen Seminar nahegelegen. Der grenzenlose Optimismus, mit dem die Internet-Konzerne mit der Entfaltung Künstlicher Intelligenz eine „Brave New World“ voraussehen, ähnelt doch sehr den historischen Versuchen, das Paradies auf die Erde herunterzuholen, sei es durch eine Herrschaft der Weisen, sei es durch genaue Konstruktionsanweisungen, sei es durch eine Entfaltung der Produktivkräfte. Diese Versuche sind alle, so attraktiv sie auch schienen, zum Teil mit schrecklichen Folgen gescheitert. Wir können womöglich aus diesem Scheitern eine Lehre für das Zeitalter der Entfaltung Künstlicher Intelligenz ziehen: Der Mensch, von vielen Robotern umstellt, sieht sich anderen Problemen als heute gegenüber, aber die Conditio Humana bleibt wie immer problematisch.

Von einer blinden Technologiegläubigkeit wurden wir auch abgehalten, weil sich die Anfahrt zu den „Steilvorlagen“ und die Rückfahrt als schwierig erwiesen. Wie sollen wir in einer angemessenen Zeit nach Frankfurt kommen, wenn die Baustellen auf der maroden Infrastruktur unserer Autobahnen überhandnehmen und es immer häufiger zu totalen Sperrungen kommt? Da wäre auch ein autonom fahrendes Auto nicht nützlich gewesen. Auf der Rückfahrt erwischte es die Bahnfahrer, weil ein ICE auf der Strecke Frankfurt – Köln aufgrund eines technischen Defektes in Flammen geriet. Das führte nicht nur zur Sperrung dieser Strecke, sondern brachte den gesamten Fahrplan durcheinander. Roboter hilf! Aber für diesen Notfall war keine Maschine programmiert worden. Nicht dass die Heimkehrer von der Messe im Frankfurter Hauptbahnhof informiert worden wären. Dazu hätte es keiner KI, sondern nur einer Ansage und ein klein wenig Kundenorientierung bedurft. Aber stattdessen hat man bei der Bahn schöne Prospekte. Die durfte ich durchblättern, als ich realisierte, dass ich nicht mehr nach Norden kam, während es in Frankfurt keine freien Hotelbetten gab. Es war ja Buchmesse.

 

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Funktioniert Führung dann, wenn alle an sie glauben?

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Wie macht man Mitarbeiter und weitere Leute zufrieden? Dafür brauchte Keynote Speaker Prof. Lanwehr von der FH Südwestfalen kaum Künstliche Intelligenz, vielmehr eine Typologie und psychologisches Verständnis. Auch kann eine gute Mitarbeiterführung nicht darin bestehen, dass man am Computer sitzt und Empfehlungen des Algorithmus abruft. Stattdessen könnte Charisma hilfreich sein. Charisma aber, das war die frohe Botschaft von Lanwehr, lässt sich lernen, zumal man Charisma nicht an sich hat. Vielmehr wird Charisma von den Mitarbeitern verliehen. Führung funktioniert also vor allem, wenn alle an sie glauben? Von Lanwehrs Typologie wird mir die „fixierte Unzufriedenheit“ mancher Lehrer in Erinnerung bleiben, da diese aufgegeben haben, etwas und damit sich selbst ändern zu wollen. Müssen wir solchen „Typen“ unsere Kinder anvertrauen? Da fiel mir Bertold Brecht ein und sein Herr K. der zutiefst erschrocken war, als ihm gesagt wurde: „Sie haben sich ja gar nicht verändert.“ En Problem, dass auch Lanwehr nicht zu lösen wusste, war der Tatbestand, dass Mitarbeitern Risikobereitschaft abverlangt wird, dass sie aber sanktioniert werden, wenn sich ihre Strategie als Fehler herausgestellt hat. Ist Intrapreneurship demzufolge ein Begriff, der sich in Veröffentlichungen gut macht, aber sonst keine Chance hat, und Fehlervermeidung nach wie vor die bessere Strategie?

Irgendwann kehrte ich doch heil nach Berlin zurück. Am Wochenende zog die Demonstration „#Miteinander“ fast vor meinen Fenstern unzählige Menschen an. Emotion war verlangt, Solidarität ebenso und dazu die Entschlossenheit, dem Populismus von rechts entgegenzutreten. Auch das ging ohne Künstliche Intelligenz.

CIOs

Dienstleister für eine funktionierende IT
oder technologischer Vorreiter
auch für Investitionen und Soft Skills

Neue Studie von Deloitte: „Manifesting Legacy: Looking beyond the Digital Era“  – Deloitte Global CIO Survey 2018 – Download unter https://www2.deloitte.com/de/de/pages/technology/articles/global-cio-survey.html

CIOs sind dafür zuständig, dass die IT im Unternehmen funktioniert, auf dem aktuellen Stand ist und alle geschäftskritischen Prozesse im Rahmen ihrer Möglichkeiten stützt. Die digitale Entwicklung und die damit verbundenen Möglichkeiten eröffnen dem CIO jedoch neue Perspektiven: Als „Digital Vanguard“ könnte er gleichermaßen eine Wärter- wie Steuerfunktion für die Digitale Transformation einnehmen. In der Realität, so zeigt der Global CIO Survey Report 2018, nehmen aber nur zehn Prozent der befragten CIOs Vanguard-Funktionen wahr, während knapp die Hälfte sich nach wie vor als oberster IT-Dienstleister statt als Katalysator für Wachstum und Transformation sieht. Dabei sind Unternehmen mit einer erweiterten CIO-Funktion nachweislich erfolgreicher.

Selbstverständnis als Dienstleister überwiegt immer noch. Das Verständnis des CIO als zuverlässiger Dienstleister hält sich hartnäckig in den Unternehmen – seit der letzten Befragung vor zwei Jahren hat sich daran wenig geändert. Immer noch sehen 55 Prozent darin ihre Hauptrolle. Dementsprechend ist auch die Perspektive auf neue Definitionen wie „Business Co-Creator“ oder gar Treiber des Wandels nahezu unverändert und bewegt sich bei etwa einem Drittel im ersten, zehn Prozent im zweiten Fall. Dabei betrachten es ganze 96 Prozent als ihre Aufgabe, die technische Kompetenz einzelner Geschäftsbereiche zu erhöhen, und 40 Prozent sehen die neuesten Technologien als maßgeblichsten Faktor für ihre Tätigkeit in den nächsten drei Jahren. Vorrangiges Ziel sind die Prozessautomatisierung und die stärkere Orientierung des eigenen Angebots an den Kundenbedürfnissen. Die so genannte Tech Fluency, ein nahtloses, übergreifendes System, sorgt dafür, möglichst viele Stakeholder zu erreichen und deren Engagement zu fördern.

Erweiterter und veränderter Aufgabenbereich. Unter den Vorreitern unterhalten 72 Prozent eine enge Verbindung zu Vertriebsteams. Darüber hinaus fördern sie die technische Kompetenz aller Mitarbeiter im Unternehmen. Ihren Beitrag zur Wertschöpfung leisten sie nicht nur durch eine funktionierende IT, sondern steuern ihn auch aktiv durch Budget und Beschaffung. Den tatsächlichen Output evaluieren sie mittels entsprechender Finance-Instrumente und nehmen so generellen Einfluss auf die Investitionen des Unternehmens in Technologie. Ihrer eigenen Einschätzung nach werden die Mittel für Business Innovation innerhalb der nächsten drei Jahre von heute 19 auf dann 27 Prozent zunehmen.

Soft Skills rücken in den Vordergrund und verändern die IT-Kultur. Gerade im Technologie- und IT-Bereich wurden bislang vor allem fachliche Qualifikationen verlangt. Im Zuge des Wandels zum „Vanguard“ rücken Soft Skills und Diversität in den Fokus. Immerhin 54 Prozent der CIOs beachten solche Werte inzwischen deutlich stärker bei Neueinstellungen, 58 Prozent haben sogar ein Programm zur Förderung von Diversität und Inklusion. Insgesamt geht es darum, bisherige „Expertise-Silos“ durch eine Kultur abzulösen, die der zunehmenden Konvergenz von Technologie, Business und Stakeholdern gerecht wird.

Data Analytics und Cloud werden erfolgskritisch. Zusätzlich zur fortschreitenden Digitalisierung erwarten die CIOs für die nächsten drei Jahre vor allem eine steigende, erfolgskritische Relevanz von Daten bzw. der Datenanalyse (59%), der Cloud (46%) und der Cybersecurity (45%). Die wenigsten haben jedoch schon die Grundlagen für die Implementierung von End-to-End-Prozessen geschaffen, mittels derer sie die Tragweite und Bedeutung technologischer Innovationen demonstrieren können. CIOs in digitalen Vanguard-Organisationen berichten, dass sie deutlich mehr Interaktionen auf Vorstandsebene haben, was die Wahrscheinlichkeit einer technologie- und innovationsorientierten Diskussion deutlich erhöht.

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