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Informationskompetenz

Open Password – Freitag, den 9. November 2018

#466

 

Erda Lapp – UB Bochum – Arbeitsgemeinschaften der Universitätsbibliotheken – Open Access Transformation – Anja Smit – Universität Utrecht – Trudi Nordermeer  – UB Antwerpen – Dietrich-Rebholz-Schuhmann – ZB MED – Konrad Förstner – Joris van Rossum – Digital Science – Bibliotheken – Verlage – Facebook – Cambridge Analytica – Geowissenschaftler – EAGE – Oracle – Data Fox – Firmendaten und Prognosen – Tracking – Eqifax – Experian – Datenschutz

UBs: Niederländer, Flamen, Nordrhein-Westfalen

Open Science, Informatik für Bibliothekare,
Blockchain und „the Tokenization

of Science“

Von Erda Lapp, Universitätsbibliothek Bochum

Die Arbeitsgemeinschaften der Universitätsbibliotheken aus NRW, den Niederlanden und Belgisch-Flandern tauschen sich regelmäßig aus, in diesem Jahr im Museum Ludwig in Köln. Das Treffen begann schon am Vorabend im Brauhaus Pütz mit angeregten Diskussionen; am Tagungstag gab es Impulsvorträge aus allen drei Ländern und inspirierende Diskussionen, für die wir gern mehr Zeit gehabt hätten. Dirk Pieper aus der UB Bielefeld berichtete über den aktuellen Stand und die Perspektiven der Open Access Transformation, Anja Smit aus der UB Utrecht stellte das ambitionierte Open-Science-Projekt  der Universität Utrecht vor, in das die gesamte Universität eingebunden ist, und Trudi Nordermeer von der UB Antwerpen berichtete über die Open-Science-Initiativen in belgisch-flämischen Bibliotheken.

Prof. Dietrich-Rebholz-Schuhmann, der neue wissenschaftliche Leiter der ZB MED, beschrieb die Anstrengungen zu einer Nationalen Infrastruktur für Forschungsdaten-Management in den Lebenswissenschaften. Es folgten Fünf-Minuten-Referate zu Good Practice im RDM-Bereich von Demmy Verbeke aus Leuven und Marjolein Nieboer aus Leiden. Wir haben auch über Benchmarking gesprochen und über die Aus- und Fortbildung für Informationsberufe. Prof Konrad Förstner von der ZB MED stellte das Library Carpentry Project vor, das er an der TH Köln initiiert hat: Bibliothekare erwerben gemeinsam mit Informatikern die IT-Kenntnisse, die sie brauchen, um in der Bibliothek der Zukunft handlungsfähig zu sein und erweitern und vertiefen sie in einem Netzwerk.

Die niederländischen Kollegen flogen Joris van Rossum von Digital Science aus London ein, damit er uns über „Blockchain and the future of libraries“ informierte. Die Blockchain-Technologie sowie die „Tokenization of Science“ werden seiner Meinung nach Bibliotheken und Verlage obsolet machen. Die Perspektiven, die trotzdem für Bibliotheken bestehen, konnten wir nicht mehr diskutieren, sind aber überzeugt, dass es sie gibt.

Zum Abschluss nahmen wir an einer Führung durch die Gabriele-Münter-Ausstellung „Painting to the point / Malen ohne Umschweife“ im Museum Ludwig teil. Unser Austausch verlief in gastfreundlicher und freundschaftlicher Atmosphäre. Wir arbeiten alle an denselben Problemen, und es hat uns sehr bereichert zu sehen, wie unsere Nachbarn diese Probleme bewältigen. Und der Austausch am Rande des Treffens war ebenfalls die Reise nach Köln wert.

Qualifizierter Umgang
mit digitalen Medien

Allen Schülern ihr eigenes Tablet?
Muss nicht sein

Aber Informationskompetenz ist ein Muss.

Von Maria Henkel, Universität Düsseldorf

Gerade in „postfaktischen“ Zeiten mit „Fake News“ und „alternativen Wahrheiten“ wird gefragt: Wo bleibt die Förderung der Informationskompetenz? Oder sprechen wir lieber von Medienkompetenz, da dieser Begriff in Deutschland stärker verbreitet ist. Das Internet ist inzwischen unsere größte und meistgenutzte Quelle für Informationen. Seine Inhalte – gute wie schlechte – zu kontrollieren, scheint unmöglich. Deshalb müsse die Fähigkeit, Informationen zu bewerten, bei Nutzern gefördert werden.

Studien zeigen das, was viele Lehrkräfte bereits wissen: Nicht einmal Studierende besitzen ein angemessenes Level an Medien- und Informationskompetenz. Schüler*innen können zwar mit dem Smartphone umgehen, aber keine Werbung oder Propaganda von seriösen Inhalten unterscheiden. Das, was als erstes im Internet gefunden wird, wird für bare Münze gehalten. Lehrer*innen müssen deshalb im Schulalltag nicht nur um die Aufmerksamkeit der Lernenden, sondern auch um die Wahrheit kämpfen. Verschwörungstheorien und Holocaustleugnung getarnt als Hausaufgabenhilfe online sind zu ernstzunehmenden Problemen im Klassenraum geworden. Zwar wird bereits im Kindergartenalter mit Handy, Tablet & Co. gespielt. Aber nach wie vor besteht keine Aussicht auf „Digital Natives“, die sich Informationskompetenz auf wundersame Weise von allein aneignen.

Für uns Information Professionals ist das Thema Medien- und Informationskompetenz wahrlich kein neues Thema. Aber wieso wird diese für unsere heutige Gesellschaft so essenzielle Kompetenz nicht schon längst in allen Schulen gelehrt? Der Ruf nach Informationskompetenzförderung flackert immer nur kurz auf, verbunden mit aktuellen Themen wie Fake News, SocialBots, oder auch aktuell, dem Facebook-Skandal. Kurz danach ist wieder Ruhe. So scheint es zumindest, besonders wenn man sich das Interesse der Nutzer auf Google-Trends anschaut (Abbildung 1).

Abbildung 1: Google Trends Report zu den Themen „Informationskompetenz“ und „Medienkompetenz“ im Verlauf der letzten zehn Jahre.

Die Bildungspolitik hinkt Jahrzehnte hinter dem Gebotenen einher. Während heiß diskutiert wird, ob WLAN in Schulen gefährlich sei, verändert sich die Definition der Medien- und Informationskompetenz, so wie sich die Ansprüche an uns in unserer sich stetig wandelnden digitalen Gesellschaft verändern. Während früher der Fokus auf dem Suchen und Finden von Informationen lag, so sind heute Kompetenzen beim Publizieren und Teilen im Web, in Social Media und auf anderen Plattformen ebenso wichtig. Hier sind ganz andere Aspekte wie der gesetzlich und ethisch korrekte Umgang mit Informationen und Inhalten wichtig geworden. Apropos Gesetz: Unsere Gesetzeslage sieht auch nicht vor, dass minderjährige Mediennutzer Schulfreunde filmen und ihre Bilder im Internet veröffentlichen – egal ob im Video schöne oder kompromittierende und legale oder illegale Aktivitäten aufgezeichnet werden.

Also was tun? Es ist definitiv keine Lösung, Laptops in Schulklassen zu verteilen und sich darauf zu beschränken. Hardware ist nur ein Werkzeug und kann nicht den rechtlich korrekten und ethisch angemessenen Umgang mit digitalen Inhalten lehren. In unserer Bildungspolitik muss sich also wirklich etwas Grundlegendes ändern. Und um Informationen und Informationssender kritisch zu hinterfragen, ist zunächst gar kein Laptop notwendig. Zum Wissen über digitale Medien, Netzwerke und Werkzeuge gehört nämlich ein Fundament aus kritischem Denken und Nachdenken, welches nicht nur in der Online-Welt vonnöten ist.

Warum ein Artikel über Informationskompetenz? Informationskompetenz ist die Kompetenz des 21. Jahrhunderts. Als Expert*innen und Wissenschaftler*innen, ist es unsere Aufgabe aktuelle Forschung in diesem Bereich anzustrengen und unsere Ergebnisse nicht nur mit der wissenschaftlichen Community, sondern auch mit den Zielgruppen und der Politik zu teilen. So fand zum Beispiel an der Universität Hildesheim ein Workshop zum Thema „Förderung von Informationskompetenz in (hoch)schulbezogenen Lernkontexten“ statt. Ziel des von Elke Montanari (Universität Hildesheim, Institut für deutsche Sprache und Literatur), Joachim Griesbaum (Universität Hildesheim, Institut für Informationswissenschaft & Sprachtechnologie), und Dirk Lewandowski (HAW Hamburg, Department Information) organisierten Events war der interdisziplinäre Austausch. Kommentare, Ideen und Kooperationsvorschläge sind willkommen – sonst sehen wir uns beim nächsten Workshop!

Provider´s and Regulatory Corner

 

Facebook im Cambridge-Analytica-Skandal:
Noch einmal billig weggekommen

Facebook has been fined £500,000 by the Information Commissioner’s Office in the wake of the Cambridge Analytica scandal, after allowing third party developers to access user information without sufficient consent. The breach happened before the GDPR came into force, but the fine would inevitably have been significantly higher under the GDPR, the information commissioner confirmed.

Aber auch neue Klagen wegen Datenschutzverletzungen durch Tracking. Facebook was tagged with a class action lawsuit Oct. 19 alleging the social media giant tracks locations despite users changing their privacy settings to prevent it.

Equifax und Experian to Face New York’s Financial Cybersecurity Rules.  The New York Department of Financial Services will put the credit bureaus under its rules because of massive data breaches at both firms, imposing more cybersecurity requirements on credit bureaus and their handling of sensitive consumer data.

Wileys Kooperation mit europäischem Verband der Gewowissenschaftler.The European Association of Geoscientists and Engineers (EAGE) is extending its publishing partnership with Wiley with the transition of their international journal Near Surface Geophysics. The EAGE also partners with Wiley for the publication of Basin Research and Geophysical Prospecting.

Oracles Firmendaten mit prognostischer Kraft.  Oracle has acquired DataFox a developer of ‘predictive intelligence as a service’ across millions of company records. DataFox is a startup that has amassed a company database covering 2.8 million public and private businesses, adding 1.2 million each year — and uses AI to analyse that to make larger business predictions.

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