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Open Password: Dienstag, den 12. April 2016

Russland – Natalya Sharina – Bibliothek für Ukrainische Literatur – Walther Umstätter – Rainer Kuhlen – Informationswissenschaft – IK-Symposion – Big Data

Russland

Direktorin der Bibliothek für Ukrainische Literatur in Moskau
extremistischer Positionen und
der Veruntreuung beschuldigt

Kritiker sprechen von „Hexenjagd“

Die Direktorin der Bibliothek für Ukrainische Literatur in Moskau, Natalya Sharina, ist von Moskauer Untersuchungsbehörden beschuldigt worden, Mittel aus dem Bibliotheksetat für die eigenen Anwaltskosten zweckentfremdet zu haben. Das berichtete Interfax.

Die Bibliothek war bereits im Oktober durchsucht worden. Frau Sharina wurde verhaftet, weil sie ethnischen Hass angestachelt und die „menschliche Würde gedemütigt“ haben soll. Materialien, die die Beamten als extremistisch einstuften, wurden beschlagnahmt. Im Anschluss daran wurde die Bibliothek als extremistisch eingestuft und geschlossen.

Zwar hatte der russische Präsident Putin während einer Rede vor dem Präsidentiellen Rat für Kultur und die Künste im Dezember versprochen, sich um den Fall Sharina persönlich zu kümmern. Dieses Versprechen scheint jedoch angesichts der aktuellen Beschuldigungen gegen Frau Sharina (die sich mittlerweile im Hausarrest befindet) nicht eingehalten worden zu sein.

Kritiker der russischen Regierung sprechen davon, dass in Russland eine „Hexenjagd“ gegen Personen und Institutionen stattfänden, die verdächtigt werden, ukrainische Positionen einzunehmen. Dies hat jetzt wohl auch die Bibliotheken erreicht.

Walther Umstätter

Eine kurze Antwort auf
zwei Offene Briefe von R. Kuhlen

Sehr geehrter Kollege Kuhlen,

Sie haben am 30.3.2016 (1) auf meinen Hinweis in Open Password (2), in dem ich auf immer mehr Schließungen im Bereich der Informationswissenschaft hinwies (3), die Behauptung aufgestellt, ich hätte „das Ensemble der aktiven InformationswissenschaftlerInnen als Scherbenhaufen bezeichnet.“ Das ist natürlich abwegig, Personen als Scherbenhaufen zu bezeichnen, und von mir auch nie so gesagt worden. Außerdem haben Sie mir dort einen versuchten umfassenden „Eingriff in Wissenschaftsfreiheit“ und „auch Beleidigung“ vorgeworfen, nur weil ich hinsichtlich der Informationstheorie nicht Ihrer Meinung bin, und meine Überzeugung ebenso publiziere wie Sie.

Immerhin freue ich mich, dass Sie auch der Meinung sind: „Aber konzeptionell zusammenraufen muss sich die Informationswissenschaft schon.“, denn genau das war ja mein Anliegen. Auch am 20.3.2016 (4) schrieben Sie:„In der Tat müssen sich die jetzt in der

Informationswissenschaft Aktiven und Verantwortlichen zusammensetzen und versuchen, eine Strategie zu entwerfen.“ Hier hoffe ich jedoch mehr auf mutige Nachwuchskräfte, die darin ihre Chance sehen, ihr Wissen zu beweisen, als darauf, dass irgendjemand vom Saulus zum Paulus wird.

Wie Sie richtig erkannten, brachte ich seit Jahren wiederholt („gebetsmühlenartig“) zum Ausdruck, dass es zumindest in der seit Jahrzehnten etablierten Theorie von Shannon und Weaver einen Grundkonsens geben müsste. Auch wenn ich natürlich einsehe, dass Sie gern Ihre Ansichten durchsetzen möchten, kann man aus meiner Sicht Ihrer Logik beim besten Willen nicht folgen, wenn man sieht, wie widersprüchlich Ihre Ansichten gegenüber der Informationstheorie (Mathematical Theory of Communication) sind, die aber inzwischen (und nicht nur in der Informatik) vieles schon verständlich gemacht und wissenschaftlich vorangebracht hat.

Sie schreiben in KSG 6 (5) wiederholt: „Information existiert nicht für sich.“, was sich ja auch mit der Definition „Information ist Wissen in Aktion“ deckt. Nur, das würde bedeuten, dass Bücher oder Zeitschriften gar keine „Information“ enthalten, weil sie nicht in Aktion sind. Außerdem würde Information immer Wissen enthalten. Ich frage mich ernstlich, wie viele Bibliothekare oder Knowledge Manager Ihnen da noch geistig wirklich folgen können. Wie soll uns das in der Informationswissenschaft also weiter helfen? Wie die Diskussion in

(6) leider zeigt, sind wir von einem Konsens weit entfernt, so dass ich befürchte, dass es mit dem Zusammenbruch der Informationswissenschaft noch kein Ende hat.

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Eine neue Generation von Informationswissenschaftlern sollte das Gebäude der Informationswissenschaft unter dem Scherbenhaufen ausgraben.
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Um Missverständnissen vorzubeugen, ich behaupte nicht, dass Sie oder Ihre Mitstreiter an diesem „Scherbenhaufen“ die alleinige Schuld tragen, die FID verschwand auch ohne das Zutun deutscher Informationswissenschaftler, es ist also eine internationale Krise, das ändert aber nichts daran, dass eine neue Generation von Wissenschaftlern das Gedankengebäude der Informationswissenschaft unter dem Scherbenhaufen ausgraben und auf einer gesunden Grundlage neu errichten muss.

Natürlich fragt man sich, warum es in der Informationstheorie über die Jahrzehnte hinweg zu so vielen Fehlinterpretationen gekommen ist. Es war der geniale Gedanke, als Maß für Ordnung den Unterschied zwischen totalem Zufall und Redundanz mit einem logarithmischen Maß der Wahrscheinlichkeit in bit zu messen. Es wurden also nicht große Sammlungen unterschiedlicher Strukturen nach ihrer Komplexität verglichen und geordnet. Wenn man sich mit dieser Skalierung von Ordnung nicht intensiv auseinandersetzt, erscheint das auf den ersten Blick nicht genial, sondern absurd, und so entwickelten immer mehr Autoren ihre eigenen Vorstellungen. Dabei ist es auch wichtig zu erkennen, dass unser Universum weitaus weniger durch thermodynamische Prozesse mit wachsender Entropie dominiert wird als durch Schwingungen, Resonanzen und Interferenzen – somit durch Redundanzen
und Negentropie.

Um ein einfaches Beispiel dafür zu wählen, wie man aus der Definition des mittleren

Informationsgehaltes -H (Eta) einer Nachricht auf die nächst höheren Ebenen Semiotik oder Wissen gelangen kann, ein Beispiel aus der Physik. Als Newton die Physik mit der Definition Kraft = Masse x Beschleunigung fundamental bereicherte, hat er damit auch noch nicht den Energiebegriff definiert. Aber aus der Folgerung, das Energie = Kraft x Weg ist und damit Energie = Masse x Beschleunigung x Weg, entstand letztlich Einsteins E = M c^2 (denn Meter / Sekunde^2 x Meter = Meter^2 / Sekunde^2). So entwickelte sich schrittweise ein in sich logisches Gedankengebäude – die Physik.

Während unzählig viele Informationen, die wir täglich erhalten, schlicht falsch sind, und nur unser gut begründetes Wissen (durch Erfahrung oder Logik) uns die Möglichkeit gibt, solche Fehlinformationen auch als solche zu erkennen, erfordert die Absicherung von Information zu Wissen eine ausreichende Menge an Redundanz. Bei Computern wird das täglich genutzt, und wir Menschen tun es meist unbewusst, durch unser forschendes Lernen. (7)

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Für den seit langem überfälligen Neubeginn in der Krise.

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Es wäre also schon viel gewonnen, wenn Informationswissenschaftler sauberer zwischen Information und Redundanz unterscheiden würden, und der Informationstheorie die Redundanztheorie (8) zur Seite stellen würden. Auch hier gab es viele Missverständnisse in der Informationstheorie, weil Redundanz oft nur als überflüssiges Beiwerk verstanden wurde. Schon die Tatsache, dass Verleger hauptsächlich Redundanz und weniger Information erzeugen, wäre für die heute so wichtige Urheberrechtsdiskussion von fundamentaler Bedeutung.

Natürlich könnte man diese Diskussion für müßig halten, weil es den Lehrstuhl in Düsseldorf ebenso wenig rettet, wie die ZB Med. Aber wie heißt es so schön, jede Krise bietet die Chance für einen Neubeginn, und der ist schon lang überfällig.
Walther Umstätter

1 www.kuhlen.name/MATERIALIEN/Publikationen2016/Offener-Brief-2-300032016.pdf

2 www.password-online.de/password-nachrichten-montag-den-1-februar-2016/

3 Nachfolge Wersig an der FU Berlin, Kuhlen in Konstanz, Zimmermann in Saarbrücken, Kaegbein in Köln, nun Stock in Düsseldorf, während wir mehrere Jahre auch um das IBI an der HU-Berlin kämpfen mussten. Dazu kamen die Schließungen dbi, FIZ-Chemie, Medizinische Dokumentation in Ulm, die Schließung des Studiengangs IuD an der FH Potsdam und nun die ZB-Med)

4 http://bit.ly/1Rv6nTf

5 www.kuhlen.name/MATERIALIEN/Publikationen2013/RK_A1-Information.pdf

6 http://hobohm.edublogs.org/2016/03/21/offene-briefe-im-scherbenhaufen/comment-page-1/

7 Forschendes Lernen www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/ForschLehr16b.pdf

8 Umstätter, W.: Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum S. 82, Simon Verl. Bibliothekswissen, Berlin, 2009

  1. IK-Symposium

BIG DATA – WIRKLICH ALLWISSEND?
Chancen, Anwendungen und Risiken

Unter dem Titel „Big Data – wirklich allwissend? Chancen, Anwendungen und Risiken“ lädt der Informations- und Kommunikationsring der Finanzdienstleister zu seinem 21. Symposium ein. Zentrale Fragen lauten: Was bedeutet Big Data für Finanzdienstleister, was speziell für Informations- und Kommunikationsexperten? Ist Big Data eine große Offenbarung und Geldmaschine oder werden Datenschutzprobleme und falsche Datengläubigkeit nur vergrößert? Welche Einsatzmöglichkeiten sind vorstellbar und wie wird ihre Realisierung unser Arbeitsleben verändern?  

Termin: Freitag, 15. April 2016 – 9.00 bis ca. 14:45 Uhr – Die Veranstaltung ist kostenfrei, erfordert aber eine vorherige Anmeldung: https://www.ik-info.de/component/eventbooking/?Itemid=100151 –
Veranstaltungsort: Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB
Lennéstraße 11, 10785 Berlin

8:30 Uhr Registrierung

9:15 Uhr Big-Data-Einsatz im Überblick – Chancen, Verantwortung, Leitlinien –
Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung Bitkom e.V.

9:55 Uhr Big Data als Game Changer – Anwendungen und Chancen am Beispiel der Finanztechnologie (FinTech) – Dr. Volker Stümpflen, Director Data Science Sanostro AG

11:00 Uhr Innovationsfaktor Analytics. Neue Handlungsfelder und aktuelle Lösungen –
Klaus Fabits, Director Center of Excellence der SAS Institute GmbH

11:40 Uhr Big Data – Innovative Chancen und Risiken. Zur Dynamik komplexer Systeme in Natur, Technik, Finanz und Gesellschaft – Prof. Dr. Klaus Mainzer, Technische Universität München

13:40 Uhr Podiumsdiskussion: Jenseits von Ursache und Wirkung: Wie mit Big Data die Korrelation zur Wahrheit wird – Einführung und Moderation: Dr. Rafael Ball,  Direktor ETH Bibliothek Zürich

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