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Password-Kommentare, -Nachrichten und -Interviews – Freitag, den 11. März 2016

Türkei – Flüchtlingskrise – Landtagswahlen – Rainer Hammwöhner – Christian Wolff – Suchmaschinenkongress – Dirk Lewandowski – Cliqz – Yandex – Offener Web-Index – Suma

 

Und das war sie, die Woche:

 

  1.         Über den Tellerrand geschaut:

            Was sind uns unsere Werte wert,
wenn sie etwas kosten?

Dies war eine Woche, in der wir über den Tellerrand schauten und ich es mit keinem meiner Freunde, Verwandten und Partner verderben wollte. Wären meine Erfahrungen aus den Gesprächen mit ihnen repräsentativ, so hätten wir es mit politisierten, emotionalisierten, verunsicherten und vor allem polarisierten Bürgern in unserem Lande zu tun und dies unabhängig vom Bildungsstand und von parteipolitischen Loyalitäten.

Dieses Bild nähme kein Wunder, zwei Tage bevor die AfD in drei Landtagswahlen zu zweistelligen Wahlerfolgen kommen wird und unsere Pastorentochter ihren Job nur behalten kann, weil andere Länder entgegen ihren Vorgaben die nötige oder nicht nötige Drecksarbeit leisten – die Türkei, indem sie mit ihrem Angebot auf Rücknahme die Flüchtlinge mit dem Ziel Europa nachhaltig zu entmutigen verspricht – die Balkanländer unter der Führung von Österreich, indem sie die Flüchtlingsrwege durch ihre Länder geschlossen haben.

Gleichzeitig führt die türkische Regierung Krieg gegen kurdische Vereinigungen ohne Rücksicht auf zivile Opfer und richtet die Presse- und Meinungsfreiheit in ihrem Land hin. Unsere Kritik daran ist regierungsseitig zu einem Murmeln herabgesunken, ohne dass „Realpolitik“ in den Mund genommen werden darf. Vom „Sacro Egoismo“ nationalstaatlicher Interessen aus früheren Jahrzehnten zu schweigen, nach dem fast alle anderen EU-Mitglieder wie selbstverständlich oder besinnungslos handeln.

Dies war die Woche, in der wir mit den Konsequenzen unseres Handelns konfrontiert wurden: Was sind uns unsere Werte wert, wenn sie uns zu kosten beginnen?

Willi Bredemeier

  1. Informationswissenschaft:

            Abschied von Rainer Hammwöhner

Eine weitere Würdigung von Rainer Hammwöhner nahm Christian Wolff von der Universität Regensburg vor:

Liebe Mitglieder des Hochschulverbandes Informationswissenschaft,

mit großer Trauer muss ich Ihnen mitteilen, dass Professor Rainer Hammwöhner, Inhaber des Lehrstuhls für Informationswissenschaft an der Universität Regensburg, völlig überraschend in der Nacht zum vergangenen Freitag verstorben ist.

Rainer Hammwöhner war eine der Säulen der deutschen Informationswissenschaft und für viele von uns nicht nur Kollege, sondern ein Freund, dessen Herzlichkeit und dessen Witz wir ebenso schätzten wie seine gedankliche Schärfe und seine eindrucksvoll breite Bildung.

Die Regensburger Universität hat ihm, der sich in zahlreichen Ämtern engagiert hat, vieles zu verdanken, unser Institut hat er maßgeblich mitkonzipiert und gegründet und seinen Ausbau vorangetrieben. Für den Hochschulverband Informationswissenschaft war er viele Jahre im Vorstand tätig und hat auch seither dessen Geschicke aktiv begleitet.

Sein Tod ist für uns alle ein schrecklicher, ein unfassbarer Verlust. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Frau Christiane und seinen Kindern. …

Der nachfolgende Link verweist auf die Online-Version der Todesanzeige der Familie, die heute in der Mittelbayerischen Zeitung erschienen ist. Dort besteht auch die Möglichkeit, online zu kondolieren.

http://m.mittelbayerische-trauer.de/traueranzeige/rainer-hammwohner/45379448

Mit traurigen Grüßen Christian Wolff

III.      Suchmaschinenkongress:

Offener Web-Index: Intellektuelle Siege
an allen Fronten,

aber politisch bewegt sich nichts

Dirk Lewandowski ist der führende Suchmaschinenexperte im deutschsprachigen Raum und gut in der angelsächsischen Wissenschaftsgemeinschaft verankert. Er lehrt an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und ist Mitorganisator des jährlich stattfindenden Suchmaschinenkongresses. 

Open Password: Der diesjährige Suchmaschinenkongress in Hamburg stand unter dem Titel „Offene Web-Gesellschaft“. Aber dann wurde vor allem über Datensicherheit diskutiert.

DL: Es ist richtig, dass viel über Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes diskutiert wurde. Aus meiner Sicht kann man diese Themen aber nicht von der Diskussion um eine offene Web-Gesellschaft trennen: Wenn es beim Datenschutz und der Datensicherheit nicht stimmt, dann werden sich Bürger nicht beteiligen und nicht beteiligen wollen. Wir müssen auch daran denken, eine sichere Basis für unsere offene Gesellschaft zu schaffen.

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Cliqz: Fragen gleich im Browserfenster beantworten.

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OP:Ein Highlight war die browserbasierte Suchmaschine. Konzept und Potenziale?

DL:Ja, definitiv ein Highlight, auch wenn es sich mehr um einen Browser mit kluger Suchfunktionalität handelt. Es geht bei Cliqz vor allem darum, die vielen Suchanfragen, die ein eindeutiges oder zumindest ein paar recht wahrscheinliche Ziele haben, möglichst schnell – und das heißt in diesem Fall direkt im Browserfenster – zu beantworten. Der Nutzer spart sich also den Umweg über die Seite der Suchergebnisse. Deren einziger Zweck von solchen Suchergebnisseiten besteht in vielen dieser Fälle darin, Werbung einzublenden in der Hoffnung, dass der Nutzer darauf klickt.

OP:Das Yandex-Erfolgsrezept, sich bei Mozilla als voreingestellte Suchmaschine einzukaufen – auf andere Länder und Deutschland übertragbar?

DL: Definitiv! Auch Microsofts Erfolg mit Bing in den USA zeigt, dass keine Suchmaschine darauf hoffen darf, dass sich der Nutzer von sich aus von Google abwenden und zu einer anderen Suchmaschine wechselt. Jede Suchmaschine ist auf den Einkauf von Traffic angewiesen. Und alle Browserhersteller finanzieren sich über den Verkauf von Traffic an Suchmaschinen.

OP:Allerdings muss die Qualität des Produkts stimmen: Wenn die im Browser voreingestellte Suchmaschine schlechte Ergebnisse liefert, wird sich der Nutzer im guten Fall nur von der Suchmaschine abwenden, im schlechten Fall auch von dem Browser. Auch dafür gibt es empirische Beispiele.

Beim „Offenen Web-Index“ siegen Sie intellektuell an allen Fronten, aber politisch bewegt sich reineweg nichts.

DL:Danke erst mal für das Lob! Es ist in der Tat schwierig, eine solche Idee in die Köpfe in der Politik zu bringen. Im Moment sieht es für Außenstehende tatsächlich so aus, dass sich nichts bewegt. Das ist für mich auch unbefriedigend, denn hinter den Kulissen arbeiten wir fleißig und führen kontinuierlich Gespräche mit Entscheidern. Ich würde mir sehr wünschen, schon heute ein konkretes Ergebnis berichten zu können, aber leider geht es nicht so schnell voran, wie ich mir erhofft hatte.

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Sprachbasierte Suche wird immer wichtiger. .

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Bewertung des diesjährigen Suchmaschinenkongresses – Perspektiven für den nächsten?

DL:Mir hat in diesem Jahr besonders gut gefallen, dass wir sowohl in den Vorträgen als auch in den Diskussionen über konkrete Lösungen gesprochen haben. Oft wird man ja bei solchen Veranstaltungen unter pessimistischen Statements begraben – glücklicherweise nichts davon beim Suma-Kongress! Für das nächste Jahr wünsche ich mir, dass es so weitergeht, und dass wir vielleicht noch den einen oder anderen Referenten aus der Politik gewinnen können. Und, was uns in diesem Jahr leider trotz vieler Anfragen nicht gelungen ist, ein paar Referentinnen. Ach, und wenn ich schon beim Wünschen bin: Ich denke, der Kongress mit seinen spannenden Themen hätte noch mehr Teilnehmer verdient! Ich kann nur sagen: Es lohnt sich zu kommen, und soweit ich aus den anschließenden Gesprächen und den Rückmeldungen weiß, haben sich alle wohlgefühlt und von den Inhalten profitiert.

OP:Was bringt uns das Suchmaschinenjahr voraussichtlich 2016? Entwicklungen, Probleme, neue Fragestellungen?

DL:Ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr revolutionär Neues bei den Suchmaschinen erleben werden. Wir befinden uns im Moment inmitten einer großen Entwicklung, die sich auch in diesem Jahr fortsetzen wird: massenhaft verschiedene Geräte und viele Eingabemöglichkeiten. So wird die sprachbasierte Suche immer wichtiger. Dazu findet ein allmählicher Wandel bei der Ergebnisausgabe weg von den Dokumentenlisten hin zu den Antworten statt. Ich sage es eigentlich jedes Mal, aber es trifft wieder zu: Es bleibt spannend!

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