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Open Password – Mittwoch, den 14. November 2018


#468

 

IATUL – 39. Jahrestagung der IATUL – Oliver Renn – Andy Priestner – Nationalbibliothek Norwegen – Oslo Metropolitan University – Bibliotheken der Zukunft – Verlage – Curt Rice – David Carlson – Texas A&M University – Aslak Sira Myhre – User Experience – Bibliotheksroboter – TU Wildau – Benjamin Stahl – Simone Kibler – TU Braunschweig – Purdue e-Pubs

 

  1. Jahrestagung der IATUL

Die Aufgabe der Bibliotheken
ist die Erleuchtung

Ein Bericht von Oliver Renn

  1. Jahrestagung der IATUL in Oslo. Was blieb von den vielen Vorträgen hängen – in der Retrospektive? Die drei Fehler, die laut Andy Priesner Bibliotheken machen und der Aufruf von Aslak Sira Myhre, dem Direktor der norwegischen Nationalbibliothek, dass Bibliotheken – und damit Information Professionals – sich ihrer Aufgabe der Erleuchtung widmen sollten. _______________________________________________________________________

Bibliotheken und Verlage: A Game of Coins.
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Die International Association of University Libraries (IATUL) (das „T“ für Technical wurde 2014 aufgegeben – im Akronym blieb es) führte die 39. Jahrestagung in Europa durch, Gastgeber war die noch junge Oslo Metropolitan University (OsloMet). Thema der Tagung war Libraries for the Future – from Inspiring Spaces to Open Science. Eröffnet wurde die Konferenz von Curt Rice, dem Rektor der OsloMet, dessen Eröffnung nicht unter dem Stichwort Verlage – ziemlich beste Feinde (Passwort #385) zusammengefasst werden sollte, sondern besser mit Die größten Feinde sind die Verlage. Akademiker sollten das besser können.

Ein Beispiel, wie man wichtige Inhalte mit weniger Emotion – und überzeugender – vermitteln kann, gab am letzten Konferenztag David Carlson von der Texas A&M University mit seinem faszinierenden Vortrag A game of coins: A creative solution to revealing the flow of money in scholarly communications. Er stellte die heutige Art der Wissenschaftskommunikation mit den Spielern Wissenschaftler, Verlag bzw. Zeitschrift vor und zeigte so Abhängigkeiten und Geldflüsse auf. Er schilderte, dass er diese Präsentation für die Zielgruppe Fakultät ganz sicher schneller und mit weniger Aufwand als PowerPoint-Vortrag hätte gestalten können. Der Erfolg einer PowerPoint-Darstellung wäre allerdings mit Sicherheit wesentlich geringer gewesen.

So beschloss er, dies als Spiel mit zweidimensionalen Spielfiguren umzusetzen. Für den Vortrag in Oslo geschah dies mit etwas kleineren Spielfiguren, die den Verlag OrElse – Severe symbolisierten, ferner den Finanzier – die Bank of Academia, und vor allem den Promising Young Scholar, den Established Young Scholar, nicht zuletzt den Librarian sowie das Baby Arty, welches für das Produkt, die Zeitschriftenpublikation, stand. Mit Spielgeld-Dollars wurden die Geldflüsse an den magnetischen Spielfiguren befestigt und so wurde jedem klar, wie das System funktioniert. Mit PowerPoint hätte das so nie vermittelt werden können.

 

Bild „Game of Coins“

A Game of Coins: Spielfiguren von David Carlson statt PowerPoint

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„Enlightenment“ in Bibliotheken bei Kaffee und Bier.

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Ganz ohne PowerPoint kam auch der mitreißende Vortrag von Aslak Sira Myhre aus, dem Direktor der Norwegischen Nationalbibliothek, als Journalist und Politiker Quereinsteiger im Bibliothekswesen. Er wandte sich gegen die These und die von vielen geäußerte Überzeugung, dass Bibliotheken bedroht seien. Diese seien genauso wenig bedroht wie der norwegische Wald, ja, Bibliotheken hätten heute mehr Besucher als früher. Bibliotheken sollten aber aufhören, sich als Katalog zu definieren, sondern ihrer Aufgabe nachkommen, Leuchttürme der Erleuchtung zu sein. Ihre Aufgabe sei es, „to enlighten society“, also die Gesellschaft aufzuklären und für Wissen zu sorgen. Dies wird im Norwegischen durch das Wort „Formidling“ ausgedrückt und kann in die deutsche Sprache mit „Vermittlung“ übersetzt werden. Im Englischen kommt noch am ehesten der Begriff „Outreach“ Myrhes Vorstellungen nahe.

Eine Bibliothek solle also der Ort für „Enlightenment“ ohne kommerziell motivierte manipulierende Algorithmen sein. Derzeit nützten die Nutzer von Bibliotheken immer noch wenig von den Informationsressourcen, die für sie verfügbar seien, ja sie wüssten meist gar nicht, was es alles gäbe. Bibliotheken sollten auch Orte sein, an denen es laut zugehe und wo Kaffee und Bier ausgeschenkt werde. Zumindest Coffee Lectures und damit Kaffee gibt es nun schon an vielen deutschsprachigen Bibliotheken.

Myrhe beendete seinen Vortrag mit der Warnung, dass die größte Gefahr für Bibliotheken der Katalog sei. Bibliotheken würden denken, sie seien der Katalog, aber das seien sie nicht. Der Katalog sei nicht mehr als ein Tool, welches durch Google oder andere Tools ersetzt werden könne. Bibliotheken müssten sich auf die eigentlichen Inhalte und deren Vermittlung fokussieren.

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Die tanzenden Bibliotheksroboter der TH Wildau.
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Inspirierend war auch der Vortrag User Experience Research. Why and how? von Andy Priestner, einem Berater für User Experience (UX) und früherem Bibliothekar. Die drei grundlegenden Dinge, die Bibliotheken überall falsch machen würden, seien das Verbot von Essen und Trinken, die nicht vorhandenen Toiletten und das Fehlen von Heftern. Ein anderer wunder Punkt sei die Website von Bibliotheken, die meist unter bibliothekarischem Blickwinkel gestaltet sei.

Was bleibt noch in Erinnerung? Das Video der tanzenden Bibliotheksroboter der Bibliothek der TH Wildau, vorgestellt von Benjamin Stahl. Der Vortrag und das Video des E-Learning-Moduls bzw. Serious Game „Lost in Antarctica“, präsentiert von Dr. Simone Kibler von der TU Braunschweig. Erwähnenswert wären noch viele weitere Vorträge. Die Abstracts finden sich auf der Website der Konferenz (https://iatul2018.hioa.no/program/). Der überwiegend verwendete Hashtag bei Twitter war #iatul18Norway. Die Publikationen der Vorträge sollen in den Proceedings of the IATUL Conferences auf dem Purdue e-Pubs Server der Purdue University publiziert werden.

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