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Open Password – Montag, den 10. April 2017

#185

Open Science Conference – Jasmin Schmitz – Open Science Policy – Open Science Cloud – Europäische Kommission – Forschungsdateninfrastruktur – Data Stewards – EOSC – Open Science Policy Platofrm – Open Science Monitor – Partizipation – Altmetrics – Expert Group on Altmetrics – Offene Bildung – Offene Bildungsmaterialien – Open Educational Resources – OERinfo


Open Science Conference  

Open Science Policy: 500.000 „Data Stewards“ für den Umgang mit Forschungsdaten nötig


Der Durchbruch von Open Education

lässt auf sich warten

Von Jasmin Schmitz, schmitz-jasmin@web.de

Open Science Conference in Berlin mit einem Teilnehmerrekord. Mit 230 Teilnehmern war die Konferenz in diesem Jahr frühzeitig ausgebucht, es mussten sogar zahlreiche Anfragen zurückgewiesen werden. Ein Grund mag der hohe Anteil internationaler Referenten gewesen sein, die ihrerseits ein internationales Teilnehmerfeld aus über 34 Nationen anzogen. Themenschwerpunkte waren in diesem Jahr Open Science Policy und Open Education.

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Open Science Policy

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Vorgestellt wurden unter anderem die Fortschritte bei der European Open Science Cloud (EOSC)[1]. Ab 2020 sollen Forschende in Europa die Möglichkeiten haben, dort ihre Daten abzulegen und Daten anderer zu nutzen. Damit sollen die „Veröffentlichung und Nachnutzung von Forschungsdaten“ weiter vorangebracht werden. Mit dem „Data Pilot“ im Rahmen der Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020, der die Veröffentlichung von Forschungsdaten in vielen von der Kommission geförderten Projekten verpflichtend macht, zeigt, wie ernst es der Kommission mit Open Science ist.  Eine erste Webapplikation der EOSC soll im Frühjahr 2018 starten. Die Ausgestaltung wird im Rahmen eines Gipfeltreffens im Juni 2017 besprochen.

Außerdem gilt es, Infrastrukturen zur Speicherung und Verarbeitung von Forschungsdaten langfristig auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen. Eine zeitlich begrenzte Projektförderung wäre hier weniger zielführend. Eine weitere Frage lautet, was mit bereits aufgebauten Infrastrukturen im Bereich „Forschungsdaten“ geschieht. Ein Zusammenführen in Form einer „Federated Infrastructure“ könnte die Lösung sein. Dann muss geklärt werden, wie die Interoperabilität sicherzustellen ist. Außerdem müssen „Data Stewards“ für den Umgang mit Forschungsdaten ausgebildet werden, um eine optimale Nachnutzung von Daten zu gewährleisten. Gleichzeitig sollen diese eine Vermittlerrolle zwischen Informatik und der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin einnehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 500.000 solcher „Data Stewards“ in Europa benötigt werden.

Die Europäische Kommission möchte auch deshalb adäquate Infrastrukturen schaffen, da derzeit rund 80% der wissenschaftlichen Daten für die Nachnutzung verloren gehen, weil sie auf privaten Speichermedien oder in anderen wenig nachhaltigen Umgebungen gesichert werden. Zudem gilt es, die Maschinenlesbarkeit von Daten zu verbessern, unter anderem um Text- und Data Mining-Prozeduren darauf anwenden zu können, die ihrerseits möglicherweise neue Erkenntnisse generieren.

Das Vorhaben EOSC wird von einer „Open Science Policy Platform“ begleitet, einem Expertengremium, das die Europäische Kommission bei der Implementierung der „Open Science Policy“ berät. Leitgedanke ist hier, dass die Probleme in einem global agierenden Wissenschaftssystem nicht von einem Land allein gelöst werden können. Kernthemen sind hier unter anderem: Wie können Anreize für Open Science geschaffen werden? Wie lassen sich bestehende Geschäftsmodelle verändern?

Das Gremium wird durch einen „Open Science Monitor“ unterstützt, der erproben soll, inwieweit sich Open-Science-Aktivitäten messen lassen. Mit dem „Monitor“ soll auch deutlich gemacht werden, dass Open Science weit mehr als Open Access bedeutet, vielmehr sämtliche Aspekte der Generierung wissenschaftlicher Ergebnisse und wissenschaftlicher Kommunikation einschließt.

Open Science will die Teilhabe in der Wissensgesellschaft fördern: „No innovation without participation“, die Gesellschaft muss von der Wissenschaft mitgenommen werden. Auch gilt es, Citizen Science zu stärken. Ein breites Interesse ist vorhanden: Bereits 50% der Forschung wird aus privaten Quellen finanziert[2].

[1] Jean-Claude Burgelman: Next Steps towards an European Open Science Cloud: https://www.open-science-conference.eu/wp-content/uploads/2016/02/Burgelman_2017-Science-2-Berlin-March-2017.pdf.

[2] Johannes Vogel: The Open Science Policy Platform: https://www.open-science-conference.eu/wp-content/uploads/2017/03/Vogel_open-science-conference-M%C3%A4rz-2017.pdf.

 

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Altmetrics

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Der gerade erschienene Bericht der „EC Expert Group on Altmetrics“[1] wurde auf einer Panel-Sitzung diskutiert. Der Report stellt unter anderem fest, dass es keine perfekten Metriken gibt. Es sollte ein verantwortungsvoller Umgang mit Metriken gepflegt werden, indem auf Datenqualität, Verifizierbarkeit und Breite geachtet wird. Man sollte sich bewusst sein, dass Metriken immer eine Wirkung entfalten. Neue Metriken sollten einen Anreiz für Open Science schaffen. So können Metriken dazu genutzt werden, Open und Closed Science miteinander zu vergleichen. Über allem sollte das Prinzip „Measure what Matters“ stehen: Es gelte, Metriken an den Messbedarfen auszurichten, nicht daran, welche Zahlen besonders einfach erhoben werden könnten[2].

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Open Education
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Eine Paneldiskussion zeigte, dass Open Education noch längst nicht so wie Open Access akzeptiert wird. Von einem Durchbruch ist man nach wie vor weit entfernt. Open Education gewinnt allerdings notwendigerweise an Bedeutung, weil technische Entwicklungen so schnell voranschreiten, dass lebenslanges Lernen unerlässlich wird. Hierauf muss sich das Bildungssystem einstellen, wenngleich es sich bislang ziemlich resistent gegenüber den nötig gewordenen Veränderungen erwiesen hat.

Bedarfe an offenen Bildung und an freien Bildungsmaterialen gibt es aus den folgenden Gründen:

–          Durch lebenslanges Lernen wird die Gruppe der Lernenden heterogener. Somit wird personalisiertes Lernen notwendig, da sich die Lernbedarfe stark unterscheiden.

–          Selbstbewusste Selbstlerner übernehmen die Kontrolle im Lernprozess und bestimmen, was, wann und wie gelernt wird. Häufig stehen diese im Berufsleben und lernen zielgerichteter.

–          Der Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden und zwischen den Lernenden untereinander wird intensiver. Im Idealfall werden Lernmaterialien gleich angepasst.

–          Eine Flexibilisierung ist notwendig: Die Abbruchquoten an den Universitäten sind hoch, wobei die Gründe vielfältig sind. Abschlüsse werden aber häufig nachgeholt. Brüche in der Erwerbs- und Ausbildungsbiographie sind keine Ausnahme mehr.

–          Die Grenzen zwischen formaler und informeller Bildung sind fließend geworden. Fortbildung findet vielfach „nebenbei“ statt.

Universitäten engagieren sich immer stärker im Bereich „Online Learning“, da sie durch die Interaktion mit den Nutzenden erfahren, welche Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden. Zudem lassen sich über Online-Lernangebote vielfältige Informationen über Studierende, deren Bedarfe und Lernstrategien sammeln.

„Open“ bedeutet im Zusammenhang mit Bildung auch, dass es keine Vorbedingungen für den Lernenden gibt. Insgesamt schneiden Absolventen von Open Education gleich gut oder besser als konventionell Lernende ab.

 

[1] Expert Group on Altmetrics: Next generation metrics: Responsible metrics and evaluation for open

Science: https://ec.europa.eu/research/openscience/pdf/report.pdf#view=fit&pagemode=none.

[2] Next-generation altmetrics: responsible metrics and evaluation for open science: https://www.open-science-conference.eu/wp-content/uploads/2016/02/Open-Science-Conf_Panel_full-set.pdf.

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Open Educational Resources

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Das BMBF fördert seit 2016 eine am DIPF (Frankfurt) angesiedelte Informationsstelle für offene Bildungsmaterialien (OERinfo), um das Thema in der deutschen Bildungslandschaft zu verankern und Austausch und Networking unter Stakeholdern voranzutreiben. Dazu werden Best-Practice-Beispiele gesammelt und mehr als zwanzig OER-Projekte gefördert[1].

Lizenzierung spielt bei Open Educational Resources (OER) eine wichtige Rolle, um sicherzustellen, dass eine Nachnutzung möglich ist. Wine Publikation wird erst durch eine entsprechende Lizenz zur OER gemacht, da sie sich erst so von allen anderen Materialien im Netz unterscheidet. Zentral sind die 5 Rs:  Retain (Anfertigung von Kopien erlaubt); Reuse (Nachnutzung in unterschiedlichen Kontexten gestattet); Revise (Überarbeitung möglich); Remix (Kombinieren von Inhalten möglich); Redistribute (Weiterverteilung von Kopien oder geänderten Inhalten möglich).

Open bedeutet auch im Bildungskontext nicht, dass die Erstellung der Inhalte nicht mit Kosten verbunden ist. Entsprechende Geschäftsmodelle sind zu entwickeln. Open Educational Resources sind selbst keine technische Innovation. Aber sie verfügen über das Potenzial, soziale Innovationen und solche im Bildungsbereich anzustoßen[1].

Die nächste Open Science Conference wird im Frühjahr 2018 voraussichtlich erneut in Berlin stattfinden. Thema wird die Perspektive der Wissenschaftler auf Open Science sein.

[1] Marc Rittberger: OERInfo – Information, Transfer and Networking: https://www.open-science-conference.eu/wp-content/uploads/2017/03/Rittberger_OSC2017-OERinfo_2017-03.pdf

[1] Dirk van Damme: Open Educational Resources: A Catalyst for Innovation in Education: https://www.open-science-conference.eu/wp-content/uploads/2016/02/vanDamme_Open-Educational-Resources-A-Catalyst-for-Innovation-in-Education-Berlin-Open-Science-Conference-22-March-2017.pdf.

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