Im Mai 2026 wurden beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) in Bern 1.814 Markeneinträge erfasst – 1.419 Neuanmeldungen und 394 bereits abgeschlossene Eintragungen. Die Analyse von infobroker.de zeigt: Der Schweizer Markenmarkt ist lebhaft, international gut vernetzt – und zunehmend geprägt von KI-Branding, breiten Absicherungsstrategien und gezielter Expansion globaler Konzerne in den eigenständigen Schweizer Schutzmarkt.
Kennzahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gesamteinträge (Mai 2026) | 1.814 |
| Neuanmeldungen (Filed) | 1.419 (78,2 %) |
| Bereits eingetragen (Registered) | 394 (21,7 %) |
| Beendet (Ended) | 1 |
| Ø Klassen pro Anmeldung | 3,16 |
| Anmeldungen mit ≥ 10 Klassen | 40 |
Markenformen: Wortmarken klar vorne
Auch in der Schweiz dominiert die Wortmarke mit 62 % das Anmeldegeschehen. Sie bietet den breitesten Schutzumfang, lässt sich international einfacher handhaben und ist in der Praxis am leichtesten durchzusetzen. Kombinationsmarken – Logos mit integriertem Wortelement – sind die bevorzugte Wahl für Unternehmen mit eigenem Corporate Design. Sonderformen wie 3D- oder Positionsmarken bleiben absolute Einzelfälle.
| Markenform | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Wortmarke | 1.125 | 62,0 % |
| Kombinationsmarke (Wort + Bild) | 614 | 33,8 % |
| Bildmarke | 73 | 4,0 % |
| 3D-Marke | 1 | 0,1 % |
| Positionsmarke | 1 | 0,1 % |
| Gesamt | 1.814 | 100 % |
Top 15: Die aktivsten Anmelder im Mai 2026
Die Rangliste zeigt eine interessante Mischung: internationale Konzerne wie Owens Corning und Philip Morris, Schweizer Unternehmen wie Viseca und Syngenta – und auffällig viele Privatpersonen mit gezielten Markenfamilien-Strategien.
| Rang | Anmelder | Einträge |
|---|---|---|
| 1 | Owens Corning Intellectual Capital, LLC (USA) | 14 |
| 2 | Philip Morris Products S.A. | 11 |
| 2 | Viseca Payment Services AG | 11 |
| 4 | Joe Zuppiger | 10 |
| 4 | BIOGENA S.R.L. | 10 |
| 4 | Andri Luzio | 10 |
| 7 | SYNGENTA CROP PROTECTION AG | 9 |
| 8 | Tether Operations, S.A. de C.V. (MX) | 8 |
| 8 | NIKE Innovate C.V. (NL) | 8 |
| 8 | Angro Brands B.V. | 8 |
| 11 | Raphael Fürer | 6 |
| 11 | Institut de formulation des vaccins (CH) SA | 6 |
| 11 | NH Properties Sàrl / MAPISOLA Sàrl / Atina Stone SA | 6 |
| 11 | Centravo Holding AG | 6 |
| 11 | Sissaoui Sidney Mehdi Joseph | 6 |
Drei Besonderheiten im Anmelderfeld
Markenfamilien-Strategie bei Privatpersonen: Joe Zuppiger hat im Mai gleich zehn Varianten rund um den Markenkern „mainpoint“ angemeldet – von „mainpoint Alarmzentrale“ über „mainpoint Beratung & Konzeption“ bis hin zu „mainpoint Verkehrsdienst“. Ein Lehrbuchbeispiel für den systematischen Aufbau eines markenrechtlich abgesicherten Produktportfolios.
Krypto trifft Markenrecht: Tether Operations – Emittent des weltweit meistgenutzten Stablecoins USDT – meldete acht Marken beim IGE an. Die Schweiz als Fintech-freundlicher Standort macht einen umfassenden Markenschutz für Krypto-Unternehmen zur logischen Konsequenz.
Tabak trotz Regulierung aktiv: Philip Morris Products S.A. (11 Einträge) und Nicoventures (British American Tobacco) zeigen, wie systematisch die Tabakbranche trotz regulatorischer Einschränkungen weiterhin Markenrechte in der Schweiz sichert.
Top-10 Nizza-Klassen beim Schweizer IGE
Dienstleistungsmarken dominieren klar: Die drei meistgenutzten Klassen – Handel/Werbung (35), IT/Software (42) und Technologie (9) – spiegeln den Wandel zur Digital- und Dienstleistungswirtschaft wider. Die starke Präsenz von Klasse 42 zeigt, wie zentral Softwareentwicklung und technologische Dienstleistungen für das aktuelle Markengeschehen sind.
| Rang | Nizza-Klasse | Beschreibung | Nennungen |
|---|---|---|---|
| 1 | Klasse 35 | Werbung, Unternehmensführung, Handel | 700 |
| 2 | Klasse 42 | Wissenschaftliche Dienste, IT, Softwareentwicklung | 582 |
| 3 | Klasse 9 | Technische Geräte, Software, Elektronik | 553 |
| 4 | Klasse 41 | Erziehung, Unterhaltung, Sport, Kultur | 507 |
| 5 | Klasse 25 | Bekleidung, Schuhwaren, Kopfbedeckungen | 255 |
| 6 | Klasse 36 | Finanzwesen, Versicherung, Immobilien | 208 |
| 7 | Klasse 16 | Papier, Druckerzeugnisse, Büromaterial | 188 |
| 8 | Klasse 5 | Pharmazeutische Erzeugnisse, Medizinalwaren | 179 |
| 9 | Klasse 44 | Medizinische und veterinärmedizinische Dienste | 162 |
| 10 | Klasse 43 | Verpflegung, Beherbergung | 155 |
Besondere Anmeldungen im Mai 2026
Rekordhalter: „Wiesn“ mit 28 Nizza-Klassen
Die ungewöhnlichste Anmeldung des Monats stammt von einem überraschenden Anmelder: Die Landeshauptstadt München hat den Markennamen „Wiesn“ beim IGE mit 28 Nizza-Klassen hinterlegt – dem Maximum des gesamten Datensatzes. Damit schützt München sein bekanntestes Volksfest-Label in nahezu allen erdenklichen Kategorien, von Lebensmitteln und Bekleidung bis hin zu Finanzprodukten. Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, erfordert sie als eigenständiges Territorium eine separate Markenanmeldung – strategisch konsequent.
Centravo Holding: Systematische Absicherung mit 23 Klassen
Die Centravo Holding AG aus der Schweizer Recycling- und Kreislaufwirtschaftsbranche meldete gleich mehrere Marken mit je 23 Nizza-Klassen an – darunter „swiss ecovalor“ und „swiss nutrivalor“. Ein klares Signal: Das Unternehmen sichert seine Produkt- und Dienstleistungspalette weit über den Kernbereich hinaus ab.
KI-Branding: Mindestens 17 Marken mit AI-Bezug
Ein messbarer Zeitgeist-Trend: Mindestens 17 Einträge enthalten im Markennamen explizit einen KI-Bezug – durch Kürzel wie „AI“, die Endung „.ai“ oder ähnliche Formulierungen. Beispiele aus dem Mai 2026: 360supply.ai (Supply-Chain-Software), aicore (IT-Dienstleistungen), AIME mit 18 Nizza-Klassen, Aikonic (Software und digitale Inhalte) sowie OpenSesame AI inc. – bereits mit dem Status „Registered“. KI-Branding ist 2026 kein Nischenphänomen mehr.
Internationale Konzerne: Die Schweiz als eigenständiger Schutzmarkt
Rund 10 % der Anmeldungen stammen von eindeutig internationalen Unternehmen. Weil die Schweiz außerhalb der EU liegt, reicht ein EUIPO-Schutz nicht aus – ein separater Markenschutz beim IGE ist für jeden Anbieter mit Schweizer Marktpräsenz unerlässlich. Zu den internationalen Anmeldern im Mai 2026 zählen u. a. Microsoft, Nike, Hyundai Motor, Bridgestone, FIFA, Calendly und Playboy Enterprises.
Anmeldungen vs. Eintragungen: Was der Unterschied bedeutet
Mit einer Eintragungsquote von 21,7 % liegt die Schweiz deutlich höher als etwa die skandinavischen Register im selben Monat (12,4 %). Ein Teil der eingetragenen Marken stammt aus Anmeldungen des Vorjahres, die erst jetzt durch das IGE formal eingetragen wurden.
Für die Markenüberwachung gilt: Der Anmeldezeitpunkt (Filed) ist der entscheidende Prioritätszeitpunkt – nicht das Eintragungsdatum. Wer nur abgeschlossene Eintragungen beobachtet, erkennt neue Kollisionsrisiken zu spät.
Fazit: Was der Schweizer Markenmarkt im Mai 2026 zeigt
- Wortmarken (62 %) dominieren – Unternehmen schützen primär Namen und Begriffe.
- Dienstleistungsklassen (35, 42, 41) überwiegen gegenüber klassischen Warenmarken.
- KI-Branding ist ein klar messbarer Trend: AI-Kürzel im Markennamen nehmen sichtbar zu.
- Markenfamilien-Strategien – viele Varianten eines Kernbegriffs – sind gängige Praxis, auch bei Einzelpersonen.
- Internationale Konzerne nutzen die Schweiz konsequent als eigenständigen Schutzmarkt außerhalb der EU.
- Einzelne Anmeldungen mit 20+ Nizza-Klassen zeigen maximale Absicherungsstrategien.
Für Unternehmen und Markeninhaber mit Schweizer Marktpräsenz ist eine professionelle Markenüberwachung Schweiz heute keine Option mehr – sondern eine Notwendigkeit. Neue Anmeldungen frühzeitig zu erkennen und auf Kollisionspotenzial zu prüfen, sichert die eigene Marktposition.
Quelle: IGE – Institut für Geistiges Eigentum, Bern | Stand: Mai 2026 | Analyse: infobroker.de
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