In Sachen Covid-19 kann jeder von uns etwas berichten. Jeder kennt Jemanden, der jemanden kennt. Es gibt Geschichten von leichten Krankheitsverläufen bis hin zu schweren Erkrankungen, die zur Intensivbehandlung mit Beatmung und im schlimmsten Falle zu einer Todesnachricht führen. Die Corona-Pandemie ist in unserem Alltag längst angekommen und für jedermann angesichts der Pflicht, eine Maske zu tragen, fast jederzeit sichtbar. Unser Bild von Corona ist aktuell die Maske und nicht die Geschichten der Betroffenen.

Im November bin ich an Covid-19 erkrankt. Ein Information Professional, ein Mitglied der Informationsbranche und vielleicht dem einen oder anderen von Ihnen bekannt. In diesem Fall haben Sie jetzt jemanden in Ihrem erweiterten Kontaktkreis, der es gehabt hat und von einem Verlauf berichtet, den man nicht mehr als mild bezeichnen kann.

Der Anfang

Die Covid-19 Erkrankung in meiner Familie begann damit, dass meine Frau von einer positiven Kontaktmeldung ereilt wurde. Das Gesundheitsamt meldete sich und versetzte meine Frau in Quarantäne. Parallel dazu wurde bei ihr ein Test vorgenommen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich noch “frei” bewegen und im Büro arbeiten. Zwei Tage nach Beginn der Quarantäne für meine Frau merkte ich, dass ich mir einen Reizhusten zugezogen hatte. Ich zog die Notbremse und verlagerte meine Tätigkeit ins Home Office. Seit der ersten Corona-Welle war ich darauf gut vorbereitet. Der überwiegende Teil meiner Arbeit wird Cloud-basiert durchgeführt. Alles Papier, das ich noch brauche, also die wenigen wichtigen Unterlagen, die nicht digitalisiert sind, befindet sich jederzeit in einer Tasche, die bei uns liebevoll “der Präsidentenkoffer” genannt wird. Da es mir vor zehn Tagen Arbeit mit dem Notebook graute, zog ich kurzerhand auch mit meinem Rechner und zwei Monitoren um.

Tests sind positiv

Wenige Stunden nach meiner selbstverordneten Quarantäne traf das Testergebnis für meine Frau ein. Es war positiv. Damit war ich ein Erstkontakt und auch gesundheitsamtlich in Quarantäne. Dank meiner Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr wurde binnen kurzem ein Schnelltest sowie der normale PCR-Test durchgeführt. Das Ergebnis des Schnelltests war nach knapp zwanzig Minuten da und lautete: Positiv! Zwei Tage später traf das gleichfalls positive Ergebnis aus dem Labor ein. Währenddessen hielt mein Reizhusten an. Zu diesem Zeitpunkt ging ich von einem weiteren milden Krankheitsverlauf aus, zumal auch meine Frau einen nur leichten Husten, allerdings auch ihren Geschmackssinn verloren hatte.

Jeder Verlauf ist anders

Covid-19- Krankheitsverläufe sind nicht durchgängig gleich. Man hört von Betroffenen, die keinerlei Symptome aufweisen und nichts bemerkt haben, bis zu den sehr harten Fällen auf Intensivstationen mit Beatmung und künstlichen Koma. Auch gibt es Berichte von Fiebererkrankungen, die ihrerseits im Schweregrad vom leichten Fieber bis hin zu sehr starkem Fieber mit lebensgefährlichen Folgen schwanken.

Lesetipp und im Vlog besprochen: 1918 – Die Welt im Fieber, Laura Spinney – 10 Tage – 10 Bücher | infobroker vlog #245 – https://youtu.be/TRqMd5vXGPs

Nach fünf Tagen Reizhusten schlug der Covid-19-Virus mit Fieber und Schüttelfrost zu. Es begann mit dem berühmten “Ich lege mich mal etwas ins Bett” und zog sich als sieben Tage lange Fiebertortur hin. Dieses Fieber war anders und höher als bei anderen fiebrigen Erkrankungen. Über 40 Grad und immer wieder gekoppelt mit Schüttelfrostattacken. Ich merkte, wie das Abwehrsystem meines Körpers bemüht blieb, durch eine Übersteuerung der Köpertemperatur den Virus in immer neuen Schlachten zu besiegen. Es gab die Schlacht “Schüttelfrost”, in der mein Körper mit zuckenden Muskeln die Temperatur herunterfuhr. Dann folgte die Offensive “Fieber” mit dem Hochfahren auf über 40 Grad. Eine Achterbahnfahrt mit beinahe schon festen Zeitfolgen, die aber das Gegenteil einer Vergnügung im Freizeitpark war.

Ibuprofen bis an die Grenze

Die Einnahme von Paracetamol in den ersten beiden Tagen führte zu starkem Schwitzen, was mir viel Flüssigkeit und Kraft raubte. Auf ärztlichen Rat, der nur telefonisch möglich war, wurde auf Ibuprofen umgestellt. So wurde mein Fieber mit Hilfe der Tabletten auf unter 40 gesenkt. Jedoch änderte sich das Wechselspiel zwischen Fieber und Schüttelfrost gefühlt nur kaum. Ganze sieben Tage, gepaart mit dem ärztlichen Rat zu “Saufen wie ein Gaul”, sprich drei Liter pro Tag trinken, dauerte es, bis Covid-19 am Ende doch in die Schranken gewiesen war. Am Ende war das Fieber genauso schnell weg, wie es gekommen war. Was blieb, war ein Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns und ein ziemlich geschwächter Michael Klems.
Mit Hilfe von Elektrolyt-Zusätzen und ausgewogener Ernährung wurde der Kreislauf wieder in Schwung gebracht. Nach gut zehn Tagen wurden Spaziergänge und leichte Bewegungsübungen möglich. Die Arbeit im Büro wurde wieder aufgenommen. Ich hatte Covid-19 bekommen, einen Filmriss, was in den voraufgegangenen harten sieben Fiebertage passiert war, und blickte nach vorn. Ich stand vor einem Neuanfang und blickte ein wenig entspannter auf die Pandemie. Ich hatte es gehabt, würde voraussichtlich nicht wieder infiziert werden und musste nicht mehr in eine Quarantäne, selbst wenn ich wieder einen Direktkontakt haben sollte.

Covid19 und die Selbständigkeit

In meiner Arbeit hat Covid-19 zu einem partiellen Ausfall von knapp drei Wochen geführt. In der harten Fieberphase von sieben Tagen war an Arbeiten nicht zu denken. Selbstständige neigen dazu, auch im Krankheitsfall die eine oder andere Stunde zu arbeiten. So kümmerte ich mich die ersten zwei Wochen nach der harten Fieberphase um die größten Dringlichkeiten. Kein Kunde kündigte und ich verpasste keine Deadline, die mir meine Kunden gesetzt hatten. Allerdings gab es im Home Office keine Möglichkeit, Kreditkarten-Chargings durchzuführen. Das hierfür notwendige Zahlungsterminal ist aus Sicherheitsgründen an die Telefonanlage im Büro gekoppelt. So gab es einen vorläufigen Einnahmeausfall von gut 14 Tagen.

Ich hatte Corona

Der Erkrankung ein Gesicht geben. Die Aktion #ichhattecorona der Bundesregierung. https://www.zusammengegencorona.de/fuermichfueruns/ichhattecorona/

Covid-19 ist da und allgegenwärtig. Dies in der täglichen Berichterstattung und durch die Verhaltensregeln, die der Virus der Gesellschaft auferlegt hat. Dennoch ist es eine völlig andere Erfahrung, an Covid-19 zu erkranken. Dann ist Covid19 da und zwar hautnah. Welches Glück ich trotz der harten Fiebererkrankung hatte, zeigt der Artikel “Hab keine Angst Papa” aus der Berliner Zeitung. Covid-19 kann zum Tode führen. Ich bin ohne jegliche Symptome im Bereich der Atemwege durch die Krankheit gegangen. Ein großes Glück, möchte ich im Nachhinein sagen.
Nach knapp fünf Wochen habe ich den Dienst in der Feuerwehr wieder aufgenommen. Im Büro läuft vieles seinen normalen Gang und es gibt keine Folge-erscheinungen. Erschöpfungszustände (CFS – Chronique Fatigue Syndrome)? Konzentrationsprobleme? Nichts davon. “Alles gut und ich bin wieder da”, sage ich meinem Gegenüber, wenn wir auf meine Erkrankung zu sprechen kommen.

Du bist der einzige, den ich kenne, der Corona so richtig heftig gehabt hat.

Das wird ebenfalls häufig gesagt. Möge es so bleiben.

Corona ist Alltag und darum so gefährlich

Corona ist dennoch sehr nah und scheint täglich näher zu rücken. Die Infektionsraten und die Todesfälle nehmen von Tag zu Tag zu. Ob das so weiter geht, hängt von unserem Verhalten ab. Die staatlichen Regelungen schaffen einen Rahmen, was in diesem Rahmen geschieht, liegt in unserer eigenen Verantwortung. Warum nicht einfach mal mehr in Sachen Einschränkung tun? Wir helfen damit Schwächeren, die vielleicht sieben Tage hohes Fieber angesichts eines schwachen Immun- und Kreislaufsystems nicht wegstecken können. Ich hatte Covid-19 und ich empfehle Ihnen, diese Erfahrung fürs Leben nicht machen zu wollen.

Bleiben Sie gesund und verleben Sie besinnliche Weihnachtstage.

Lesetipp: Hab keine Angst Papa – Berliner Zeitung – 4. Dezember 2020
https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/hab-keine-angst-papa-li.123005?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

 

Der Beitrag ist parallel auf Open Password am 16.12.2020 erschienen.

 

 

Michael Klems ist Experte für die Recherche in professionellen Datenbanken und effiziente Suchstrategien in Online-Quellen. Seit 1991 ist der erfahrene Online-Profi für namhafte Entscheider und Top-Unternehmen in der Informationsbeschaffung tätig. Mit der Seminarreihe „Effiziente Internet-Recherche“ ist der gebürtige Kölner gefragter Referent für Seminare und Autor zahlreicher Fachveröffentlichungen. Michael Klems ist der Kopf hinter dem Online-Dienst infobroker.de.
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