Bibliotheken – Warum Journalisten auf Literaturrecherchen setzen sollten

2019-01-10T22:30:18+00:00Datenbanken|

Bei Bibliotheken denken viele an lange Buchregal Reihen, Totenstille und Büffeln. Dabei üben Bibliotheken und deren gesammelte Informationsschätze eine sehr wichtige Rolle bei der Recherche nach Fachinformationen. Die Einfachheit der Google Recherche verdrängt recht schnell die Potenziale von Bibliotheken. Wer tiefer in die Online Recherche einsteigen will sollte dies durch eine systematische Aufarbeitung von Bibliotheksdiensten ändern.

Drei Schlagwörter und die allmächtige Suchmaschine Google spuckt Daten und Informationen aus. Je nach Fragestellung immer direkt ein Volltreffer, wenn es beispielsweise darum geht eine bestimmte Webseite anzusteuern. Bei komplexen Fragestellungen werden die Ergebnislisten sehr schnell mit irrelevanten Treffern zugepflastert. Kommerzielles mischt sich mit Wissenschaftlichen. Eine zeitliche Eingrenzung auf das tatsächliche Erscheinungsdatum einer Veröffentlichung ist nicht möglich, da die Suchmaschine das Systemdatum von Online Einspielungen als Parameter einsetzt.

Anwender und gerade Journalisten sind auf valide Informationen angewiesen. Hier ist je nach Fragestellung der historische Kontext relevant. Aber auch die einfache Fragestellung “Wer ist Experte auf einem bestimmten Gebiet und eignet sich als Interviewpartner” wird mit Suchmaschinen zur Herausforderung.

Bibliotheken liefern tiefgreifende Informationsbestände

Mit den Suchmöglichen über die Bestände einer Bibliothek werden zahlreiche Quellentypen recherchiert. Rein praktisch wird über die Kataloge (OPACs) der Bibliotheken gearbeitet. Über die Google Suchmaschine sind diese Daten in der Regel nicht erfasst, da die Bots in die Katalogsysteme nicht gelangen.

Gemeinsam mit Heike Baller spreche ich im aktuellen infobroker.de Podcast über die ZBW (Zentralbibliothek Wirtschaftswissenschaften) und das Informationssystem Econbiz mit dem die Bestände sehr effizient durchsucht werden können. Econbiz ist kostenfrei nutzbar und verbindet die Ergebnisse einer Recherche mit Systemen wie Google Scholar oder dem übergreifenden Katalogen, um an Volltexte gelangen zu können. Besonders leistungsstark in der Econbiz Recherche ist das direkte Selektierung von Volltexten in der Trefferausgabe. Weitere Features können im Podcast Gespräch mit Heike Baller von Profi-Wissen gehört werden.

Stärken der Vor-Ort Bibliotheken nicht unterschätzen

Es lohnt sich seiner vor Ort Universitäts oder städtischen Bibliothek einen Besuch abzustatten. Hier ermittelt werden, welche lokalen Zugänge über den Lesesaal in die Datenbestände und externe Datenbanken möglich sind. Ebenfalls lohnenswert der Austausch mit den Bibliotheksmitarbeitern (in). Welche Datenbestände sind recherchierbar. Sind Mitgliedschaften oder Gebühren fällig und welche Tipps hat der Bibliothekar für die Recherche zu einem Fachthema? Hier gilt: Nur wer fragt, dem kann auch geholfen werden.

Warum Journalisten in die Bibliotheksrecherche einsteigen sollten

Für die journalistische Arbeit können Fachinformations- und Literaturrecherchen in Bliotheken enorme Impulse und Qualitätssteigerungen bringen. Die Ansätze sind in Thesen gelistet, die in weiteren Beiträgen und Video-Tutorials zukünftig vertieft werden.

Auffinden von Experten
Mit der Recherche in Literaturbeständen können Autoren als mögliche Experten zu einem Fachthema ermittelt werden. Mit Hilfe der Literaturstelle kann ein fundierter Beleg zu einem Experten geliefert werden. Dies im Gegensatz zur Aussage: “Habe ich bei einer Google Recheche gefunden.”

In der Ausgabe 6-2018 des Wirtschaftsjournalist habe ich einen Beitrag über die Recherche in der ZBW und dem Systems Econbiz veröffentlicht. Warum sollten Journalisten diese Quelle einsetzen. Welche Chancen ergeben sich hier für Wirtschaftsjournalisten?

 

 

 

Erkennen von neuen Themen
Mit der systematischen Sichtung von Neuerscheinungen lassen sich für Fachgebiete neue Themen entdecken.

Quellensicherheit
Informationen aus dem Literaturumfeld bieten eine Quellensicherheit und lassen sich gut zitieren.

Quellenvielfalt
Die Recherche in Bibliotheksbeständen liefert eine sehr hohe Quellenvielfalt. Bei den Beständen in einer Bibliothek geht es nicht nur um Bücher. So sind Veröffentlichungen im Hochschulbetrieb, graue Literatur, Conference Proceedings, Journale und auch Veranstaltungen (siehe Econbiz) ermittelbar.

Stärkere Themeneingrenzung
Die Recherche in fest segmentierten Beständen von Bibliotheken sind effizienter als in der Breite einer Suchmaschine, deren Robot einfach alles indexiert hat. Im Podcast spreche ich daher gerne immer das Beispiel mit den Frauenzeitschriften an.

Verbesserung der Recherche-Qualität

Für Journalisten gehört das Wissen zur Recherche in Bibliotheksbeständen und natürlich auch Fachdatenbanken zum Grundwissen. Gerade im stressigen Arbeitsalltag und bei hohem Zeitdruck geraten diese Quellen immer wieder ins Hintertreffen zu Gunsten einer “Einschlitz-Recherche”.

In kommenden Beiträgen und vor allem Video Tutorials wollen die Möglichkeiten der Recherche in Fachliteraturbeständen und Bibliotheken noch intensiver dokumentieren. Aber auch mit Heike Baller werde ich noch häufiger im Podcast über das Themengebiet sprechen.


Michael Klems ist Experte für die Recherche in professionellen Datenbanken und effiziente Suchstrategien in Online-Quellen. Seit 1991 ist der erfahrene Online-Profi für namhafte Entscheider und Top-Unternehmen in der Informationsbeschaffung tätig. Mit der Seminarreihe "Effiziente Internet-Recherche" ist der gebürtige Kölner gefragter Referent für Seminare und Autor zahlreicher Fachveröffentlichungen. Michael Klems ist der Kopf hinter dem Online-Dienst infobroker.de.
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